Die Eule
Die Eule mit ihren großen Augen, ihrer an eine stark gebogene Nase erinnernden Schnabel und ihrer aufrechten Haltung unterscheidet sich so sehr von anderen Vögeln, dass es sehr viele und teilweise widersprüchliche Aberglauben rund um diesen Vogel gibt. Im Mittelalter glaubte man z.B., dass die Eule ein Hexenvogel ist, der auf Hexenversammlungen erscheint und den Hexen Botendienste leistet. Daran orientiert man sich auch heute noch: in den Harry Potter Büchern der Autorin Joanne K. Rowling sind es auch die Eulen, die den Hexen und Zauberern als Überbringer von Nachrichten und Paketen dienen. Der Ruf der Eule oder ihr unerwartetes Auftauchen an einem ungewöhnlichen Ort wurde schon bei den Germanen, den Griechen und den Römern als schlechtes Omen angesehen. Doch die Eule gilt auch als Vogel der Weisheit; ebenso war sie das Begleittier der Göttin Athene.
Im alten Athen gab es zu ihrer Ehren unzählige Eulenstatuen, Eulenbilder und Münzen mit geprägten Eulen. Der bekannte Spruch „Eulen nach Athen tragen“ steht somit für eine sinnlose Handlung.
Die Katze
Die Katze hat seit jeher den Ruf eines unheimlichen, in jeder Hinsicht ominösen, teilweise sogar dämonischen Wesens. Wegen ihrer Unabhängigkeit und ihrer unberechenbaren Wildheit, ihren im Dunkeln leuchtenden Augen und ihren angeblichen neun Leben ranken sich zahlreiche Aberglauben um sie. Am bekanntesten ist wohl die Befürchtung, dass es Unglück bringt, wenn einem eine schwarze Katze von links nach rechts über den Weg läuft. Um das zu verhindern soll man drei Steine über die Katzenspur werfen oder auf einen Stein spucken. Im Mittelalter haben sie angeblich mit Hexen zusammengearbeitet oder waren gar selbst verzauberte Hexen. Die Katze galt auch als Wetterprophetin. Leckte sie sich gegen den Strich oder fraß sie Gras, sollte es regnen. Eine Katze an Bord eines Schiffes sollte Glück bringen, dreifarbige Katzen sollten dem Haus Segen bringen.
Der Rabe
Im deutschen Aberglauben ist wohl kein Vogel so eindeutig als böse und hinterlistig verschrien wie der Rabe. Im Mittelalter galt er als Hexenvogel, diese sollten sich auch gelegentlich in Raben verwandeln. Er war der Vorbote des Todes, der Krankheit und Unglück brachte. Wegen seines schwarzen Gefieders, seines „düsteren“ Gesangs und seiner Intelligenz sprach man ihm ungewöhnliche Fähigkeiten zu. Verbreitet war die Überzeugung, Raben könnten zukünftige Ereignisse voraussehen, daher sei es der Mühe wert, sie zu belauschen. Von Raben umflattert zu werden bedeutete Lebensgefahr. Scheuchte man aber Raben auf, konnte man einer großen Gefahr gerade noch entgehen. Ein Rabe auf dem Dach eines Hauses sollte auf eine baldige Erkrankung eines seiner Bewohner hinweisen. Sicherheitshalber sollte man dreimal ausspucken, um das Unglück abzuwenden. Wenn man aber eine Rabenfeder findet, sollte es Glück bringen.
Das Schwein
Seit ältesten Zeiten ist das Schwein eines der wichtigsten Nutztiere des Menschen, denn es wird gewissermaßen mit Haut und Haaren verwendet. Es gilt aber auch als Teufels- und Hexentier, besonders wenn es rot ist oder doch wenigstens glühende Augen hat. Aus allen Regionen Deutschlands wurde von feurigen oder feueratmenden Schweinen berichtet, die um Mitternacht spuken, Leuten nachlaufen und sie zwingen sollten, auf ihnen zu reiten. Schweine sollen für alles Übernatürliche sehr empfänglich sein, Ferkel müssen daher vor dem „bösen Blick“ Fremder beschützt werden. Das Schwein ist aber vor allem auch Fruchtbarkeitssymbol und Glücksbringer, wie auch heute noch gebräuchliche Redewendungen wie „Schwein gehabt“ oder „saumäßiges Glück“ beweisen. An Neujahr und zur Fastnachtszeit sollte man Schweinefleisch essen, dann würde Geld ins Haus stehen. Die Verbindung von Geld und Schwein findet man noch heute in Form von Glücksschweinen und Sparschweinen.
Die Spinne
Unsere heutige Angst und unser Abscheu vor Spinnen wurde von unseren Vorfahren nicht geteilt. Spinnen galten zwar allgemein als giftig, doch sollten sie zugleich alles Giftige im Haus aufsaugen und damit vernichten. Bewundert wurde ihr großer Orientierungssinn: Es hieß, man könne sie noch so weit von ihrem einmal erwählten Platz forttragen – sie fände stets zurück. Wegen ihres Kreuzes auf dem Rücken wurde die Kreuzspinne als glücksbringend angesehen, in Tirol heißt sie gar „Muttergottestierchen“. Ob der Anblick einer Spinne Positives oder Negatives brachte, hing von der Tageszeit ab: „Spinne am Morgen bringt Kummer und Sorgen, Spinne am Mittag bringt Glück am dritten Tag, Spinne am Abend, erquickend und labend.“
Die Ziege/der Ziegenbock
Wie das Schwein ist die Ziege ein sehr ambivalentes Tier. Als Haustier und Lieferant von Fleisch, Milch, Wolle und Leder wurde sie sehr geschätzt. Der Ziegenbock, besonders der schwarze, wurde aber als dämonisches Tier betrachtet, das mit den Geistern und mit dem Teufel in enger Verbindung steht. Die Ziege oder der Ziegenbock gilt auch als Reittier von Hexen und begleitet die wilde Jagd des Windes, noch heute kennt man den Begriff „Gewitterziege“. Eine Ziege im Stall sollte aber vor allen teuflischen Gefahren schützen, Glück bringen und das Vieh vor Behexung schützen. Ziegen sollten außerdem alle Krankheiten an sich ziehen, und alle Teile der Ziege galten als heilkräftig.
Kirsten Wiese
Dienstag, 10. Februar 2009
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